Wenn „Mama“ mal wieder zum Nervwort des Tages wird…

Wollt Ihr mich heute mal auf einen kleinen Urlaubstrip begleiten? Nein, kein richtiger Urlaub, nur ein Urlaub in Gedanken, der genau einen Tag dauert. Geht doch gar nicht? Doch geht!

Gerade gestern war da wieder einer dieser Tage. Einer, an dem das Wort „Mama“ fast zum meistgehassten Wort des Tages wurde. Weil die Motte unaufhörlich irgendetwas wollte. Keine einzige ruhige Minute für mich. „Mama, ich hab´Durst“, „Mama kannst Du dies, Mama kannst Du das…“. Kaum vorstellbar, dass man sich das erste „Mama“ mal so herbei gewünscht hat 🙂

An solchen Tagen wünscht man sich manchmal weit weg. Allein. Irgendwohin, wo niemand nach dir verlangt, wo man einfach tun und lassen kann was man möchte und ja, wo man mal seine Ruhe hat. Und weil das ja im realen Leben nicht geht, aber die Gedanken bekanntlich frei sind, reise ich jetzt einfach mal ganz spontan los…

Es ist 6.00 Uhr früh, der Wecker klingelt. Die Motte liegt noch neben mir im Bett und schlummert seelig. Irgendwann heute Nacht ist sie in unser Bett gekrabbelt und hat mich mal wieder die halbe Nacht auf einer Briefmarke schlafen lassen. Auch der Papa schlummert noch. Leise schleiche ich mich ins Badezimmer, packe schnell das Nötigste zusammen, ein schnelles Toastbrot und einen Kaffee auf die Hand und einen Zettel auf dem Küchentisch hinterlassen: „Bin heute mal raus – wir sehen uns heute Abend. Dicken Kuss, Mama“.

Ich öffne die Wohnungstür und stehe am Strand. Die Wellen rauschen, das Meer glitzert im Sonnenlicht. Ich lasse mich nieder, vergrabe die Füße im Sand und halte das Gesicht in die Sonne. Diese Ruhe – herrlich! Fast eine Stunde sitze ich einfach nur da. Denke an gar nichts, genieße den Moment und die Sonne. Das Rauschen der Wellen hat eine unglaublich beruhigende Wirkung.

IMG_4670

Langsam wird der Strand voller. Familien mit Bollerwagen und Kindern entern das Paradies. Zeit für mich zu gehen. Denn ich habe ja heute „kinderfrei“. Ich mache mich auf den Weg zurück durch die Dünen in das kleine malerische Fischerdörfchen was dahinter liegt. Setze mich in ein winziges Café, esse warme Zimtschnecken und trinke kühle Zitronenlimonade. Lese eine Zeitung. Von vorn bis hinten. Ohne dabei gestört zu werden.  

Anschließend bummele ich gemütlich durch die engen Gassen, kaufe mir ein neues Tuch und stöbere in kleinen Lädchen nach zauberhaften Dekoartikeln, die man nicht braucht. Mittags kaufe ich mir am Hafen ein Krabbenbrötchen frisch vom Kutter. Es riecht nach Algen und salzigem Meer.

IMG_5609

Ein Aushang am Hafen erweckt meine Aufmerksamkeit: „Musik- und Filmtage am Strand“. Los geht´s am späten Nachmittag. Also kaufe ich mir eine Decke, ein paar frische Trauben, eine Flasche Cidre, ein bisschen Käse und frisches Brot und mache mich auf zurück zum Strand. Dort lasse ich mich vor der großen Leinwand nieder, die von einigen fleißigen Helfern gerade fertig aufgebaut wird. Im Hintergrund spielt eine kleine Band chillige Lounge-Musik. Mein Fuß wippt im Takt mit, ich lasse meinen Blick über die anderen Besucher schweifen und genieße es, mit niemandem reden zu müssen. Einfach nur schauen und genießen.

IMG_4654

Der Film beginnt wenig später. Ein Film ganz nach meinem Geschmack: bewegend, spannend, nachdenklich, schwarzhumorig und mit einem überraschenden Ende. Mit dem Film geht auch mein Urlaubstag zu Ende. Ich muss – und will – zurück zu meiner Motte und dem Papa. Also schüttele ich den Sand aus meinen Klamotten, verschenke die Decke an ein Pärchen, dass nicht weit von mir entfernt sitzt, und schließe unsere Wohnungstür auf.

„Mama“ ruft meine Tochter begeistert und stürmt mir entgegen in meine Arme. Ach, was für ein schönes Wort: „Mama“. Oder?“

 

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „Mein Urlaubstag“ von Bines Welt. Danke für die Inspiration zu meiner Auszeit in Gedanken…

 

    

 

Schreibe einen Kommentar