Jetzt mal ehrlich Mama…Heute zu Gast: JuSu von „Mama Schulze“ #malehrlichmama

Heute habe ich eine ganz beeindruckende Mama im Interview zu Gast, und bin sehr geehrt, dass sie meinem Aufruf gefolgt ist und hier von ihrem Mama-Dasein berichtet. JuSu vom Blog „Mama Schulze“ ist nämlich nicht nur Mama und meistert ihren Alltag mit zwei kleinen Töchtern, sondern lebt auch mit ihrer Erkrankung Multiple Sklerose. Und trotz dieser Erkrankung schreibt sie mit einer unglaublichen Lebensfreude und viel Herz: mal lustig, mal nachdenklich, mal sehr offen und ehrlich – und immer mitten aus dem Leben.

Ich selbst lese ihren Blog erst seit Kurzem, möchte ihn Euch aber unbedingt ans Herz legen…

Über die Mama und den Blog

Bildrechte: Mama Schulze

Bildrechte: Mama Schulze

Bitte stelle Dich kurz vor und erzähle, was uns auf Deinem Blog erwartet

Ich bin JuSu und blogge auf Mama Schulze über mein Leben als berufstätige 2fach-Mama von Frida, 4, und Hedy, 2, mit der Erkrankung Multiple Sklerose. Ich schreibe mal lustig, mal nachdenklich, mal frustriert, mal müde (ok: öfter müde) und mal einfach nur glücklich. Dabei ist mir Eines besonders wichtig: Ich leide nicht! Ich lebe mit einer Erkrankung, und ohne sie wäre es natürlich schöner. Aber ich lebe durch sie einfach nur ein wenig anders. Und das ist eigentlich auch schon alles.

Muttersein ist für mich…

Muttersein ist für mich jeden Tag aufs Neue eine wundervolle, anstrengende und spannende Aufgabe. Wundervoll, weil es einfach toll ist, 2 kleine Menschlein aufwachsen zu sehen, die durch mich und meinen Mann entstanden sind. Anstrengend, weil sie mich jeden Tag aufs Neue an meine Grenzen bringen. Und spannend, weil kein Tag wie der andere ist und meine beiden Töchter jeden Tag etwas Neues entdecken, beständig lernen und mich überraschen.

Wenn ich mal nervlich am Ende bin, dann tanke ich neue Kraft am besten beim…

…Singen und Tanzen. Dann drehe ich einfach das Radio auf. Das setzt dann bei mir auch viele Emotionen frei. Und, wenn die Tränen dann kullern, dann kullern sie halt!

Jetzt mal ehrlich liebe Mama Schulze…

Welche Eigenschaft als Mama kannst Du an Dir nicht ausstehen? Und welche magst Du ganz besonders?

Ist es nicht interessant, dass es mir nun viel schwerer fällt, darüber zu schreiben, was mir an mir als Mama ganz besonders gefällt? Darüber muss ich zunächst einmal nachdenken: Mir gefällt, dass ich auch als Mama und sozusagen Bestimmerin offen für Kritik bin und mich auch immer wieder hinterfrage. Dazu gehört auch, mir Fehler einzugestehen und mich – ganz wichtig – auch bei meinen Töchtern zu entschuldigen.

Ich kann an mir nicht ausstehen, dass ich so schnell wütend werde. Dass ich es oft, wenn meine Kinder bockig sind, persönlich auffasse und dann direkt so einen Unmut in meiner Brust spüre. Ich muss mich sehr oft daran erinnern, dass die Launen meiner Kinder nicht gegen mich persönlich gehen. Dass sie einfach zu ihrer Entwicklung dazugehören und sie sich oftmals gar nicht anders verhalten KÖNNEN. Aber trotzdem ist da oft zuerst einmal eine Portion Wut bzw. Ärger in meiner Brust.

Bist Du spießiger geworden, seit Du Mama bist? Und wenn ja: in welchen Dingen?

Defintiv, sofern man spießig mit einem „Leben nach festen Uhrzeiten und Plänen“ definieren möchte. Mit Kindern, so ist es jedenfalls bei uns, hat alles einen festen Rhythmus. Wir leben nicht mehr einfach so in den Tag hinein. Der Tag richtet sich nach Frida und Hedy, also, wenn sie morgens wach sind, beginnt für uns der Tag. Wenn die beiden Hunger haben, essen auch wir, usw. Ich muss zugeben, dass ich mir manchmal wünsche, mal wieder einen bzw. zwei Tage einfach im Bett zu gammeln und den Tag so  nehmen zu können, wir er kommt… *träum* *seufz*

Welche Eigenschaften Deiner Kinder bringen Dich auf die Palme?

Ungeduld gepaart mit Weinerlichkeit. Ich finde, es gibt nix Nervigeres als „Mama, Mamaa, MAMAAAA, ich WILL das jetzt SOFORT und GLEICH“, begleitet durch einen Weinkrampf.

Welcher ist der beste Ratschlag, den Du jemals bekommen hast? Und auf welchen hättest Du gern verzichtet? 

Der beste Ratschlag, den ich jemals bekommen habe ist auch zugleich derjenige, auf den ich gerne verzichtet hätte. Denn der Ratschlag beinhaltet, dass ich an mir persönlich und an meinem Verhalten arbeite. Er lautet: „Ihre Tochter ist der Spiegel ihres Verhaltens.“ Und so einfach und simpel es sich anhört, ist es auch: Merkt meine Tochter Frida zum Beispiel, dass ich gereizt bin, reagiert sie mit einer entsprechenden Reizbarkeit. Aber, wer ist schon rund um die Uhr so reflektiert, dass er oder sie das permanent verinnerlicht und sich dementsprechend verhält? Vielleicht ein Zen-Mönch, der ¾ des Tages mit Mediation verbringt. Ich jedenfalls nicht…

Bildrechte: Mama Schulze

Bildrechte: Mama Schulze

Welche Sorte Eltern nervt Dich so richtig?

Eltern, die überkorrekt sind und für alles einen Plan haben. Ich finde, das hört man schon am Tonfall, in dem sie mit ihren Kindern reden…

Glaubst Du manchmal, dass Du eine schlechte Mama bist? Warum/ in welcher Situation?

Das glaube ich ungefähr fünf bis zehn Mal am Tag. Ich bin sehr streng mit mir und ja, ich reflektiere viel und das hat Vorteile, auf die ich auch stolz bin (s. Frage 1), aber dadurch mache ich mir auch schnell Vorwürfe. Und die drehen sich eigentlich immer nur um dasselbe: Gelassenheit. Ich finde, ich könnte noch gelassener sein. Ich finde, dass ich zu viel schimpfe und zetere.

Was willst Du in der Erziehung Deiner Kinder auf keinen Fall so machen wie Deine Eltern? Und was auf jeden Fall genauso?

Meine Mama und mein Papa haben sehr viel mit mir gekuschelt und mir körperliche Nähe gegeben. Das kann ich heute noch immer spüren, wenn ich zurückdenke. Diese Wärme möchte ich meinen Kindern ebenfalls geben.

Meine Eltern sind keine guten Streitpartner. Das heißt, dass Konflikte oftmals nicht ausgetragen wurden und werden (dafür gibt es Gründe, aber das führte an dieser Stelle zu weit). Das fand ich als Kind und finde ich auch heute noch sehr schwierig für mich. Ich habe eher das Bedürfnis, Konflikte zu besprechen und aus der Welt zu schaffen.

Mit wem kommt das Kind dreckiger vom Spielplatz? Wer ist ängstlicher? Wer konsequenter? Wer sorgt eher für gesunde Ernährung: Mama oder Papa?

Ich glaube, mein Mann ist ängstlicher, da er immer einen Schritt weiterdenkt. Ich bin da gedankenloser und hatte deshalb selbst schon die verschiedensten Verletzungen… Daher hat er auch oft Recht, wenn er die Sicherheit bemängelt. Bezüglich der Ernährung fahren wir ebenfalls dieselbe Linie. Aufgrund meiner Multiplen Sklerose achte ich sehr auf die Ernährung und verzichte zum Beispiel komplett auf Zucker und esse viel Obst und Gemüse. Mein Mann hat seine Ernährung ebenfalls umgestellt (freiwillig, ist das nicht toll?!) und auch bei den Kindern achten wir darauf, dass sie möglichst wenig Zucker essen und dafür viel Obst und Gemüse.

Ich denke, ich bin konsequenter, da ich mehr Zeit mit den Kindern verbringe. Mein Mann hält sich zwar weitestgehend an meine Vorgaben, drückt aber eher mal ein Auge zu, weil er die ein- oder andere Diskussion eben nicht fünf Mal am Tag führen muss.

Unsere Kinder kommen bei beiden vergleichbar dreckig vom Spielplatz, denn wir sind der Meinung, dass Dreck zum Spielen dazugehört und Spaß macht. Wofür gibt’s schließlich Waschmaschinen?!

Rechnest Du insgeheim manchmal zwischen Dir und Deinem Partner auf? So nach dem Motto: Warum muss ich das eigentlich alles alleine machen?

Shame in me: Ja! Warum ich mich schämen muss? Weil ich einen Partner habe, der wirklich anpackt, wo er nur kann. Ohne, dass ich ihm alles sagen muss! Wir sind da absolut gleichberechtigt. In allen Rechten, aber auch in allen Pflichten. Trotzdem rechne ich manchmal auf- und das hat schon sehr oft bei uns für Diskussionen gesorgt.

Die größte Lüge seit ich Mama bin, ist…

…dass ich alle Kinder einfach nur toll finde. Nie würde ich einer anderen Person sagen, dass ich ihr Kind nicht leiden kann. Ist aber manchmal so. Es gibt durchaus Kinder, die ich unsympathisch finde. Oder, die ich nicht – ich hoffe, dass Ihr mich jetzt nicht steinigt – hübsch finde. Aber nie, nie, nie würde ich das sagen. Schon gar nicht vor meinen Kindern. Denn das finde ich respektlos. Zudem bin ich mir auch im Klaren darüber, dass dasselbe für meine Kinder gilt. WAS ICH ÜBRIGENS ÜBERHAUPT NICHT VERSTEHEN KANN!!

Was hast Du in der allerersten freien Zeit ohne Kind gemacht?

Da war ich mit meinem Mann und einigen Freunden Martinsgans essen und CDs-Wichteln. Wir waren das einzige Paar mit Kind, waren total albern, weil wir endlich wieder rauskonnten, haben ständig aufs Handy geguckt, ob ein Anruf der Babysitterin kommt und haben zwei CDs mit Einschlaf- und Beruhigungsmusik für Babies verwichtelt. Das fanden die Beiden, die jeweils eine CD bekommen haben, übrigens gar nicht lustig…

Was ist Familienglück für Dich (neben den allgemeingültigen Dingen wie Gesundheit o.ä.)?

Wenn man es als Familie schafft, Konflikte ehrlich und offen auszutragen und trotzdem miteinander liebe- und respektvoll miteinander umgeht. Ich glaube, dass das das Rezept ist, um eine gute Familienbeziehung über Jahre hinweg zu erhalten. Und das bedeutet für mich Familienglück.

Wann hast Du Dir das letzte Mal die größten Sorgen um Deine Kinder gemacht?

Als der Osteopath meinte, bei meiner älteren Tochter sei etwas möglicherweise am Herzen nicht in Ordnung und ich solle das abklären lassen. Bei der Untersuchung beim Kinderarzt gab es jedoch keinerlei Auffälligkeiten. Aber da hatte ich natürliches großes Kopfkino…

Nenne eine Sache (materiell), die aus Deinem Mama-Alltag nicht mehr wegzudenken ist, weil sie den Alltag erleichtert, schöner macht etc., und die Du jeder Mama ans Herz legen möchtest

Öhm, ja, defintiv das Smartphone. Ist so. Ohne es wäre vieles schwieriger. Gerade als berufstätige Mama. Denn ich bestelle viel für unseren Alltag im Netz, gucke schnell was nach. Und dann bin ich halt auch einfach eine Blogger-Twitter-Mama, die immer mal aufs Phone starrt.

Wenn Ihr ein ganzes Wochenende so viel Zeit und Geld hättet, wie Ihr wollt, was würdet Ihr machen/unternehmen?

Im Privatjet nach Kapstadt, Südafrika, natürlich Luxus-Sorglos-Unterkunft, am besten eine Lodge, Tiere gucken, den Sonnenuntergang beim Tafelberg schauen. Ja, inspiriert vom Bachelor hihi, aber das kann ich mir für uns wirklich gut vorstellen 😉

Wenn Du Lust hast, hinterlasse hier noch den witzigsten “Kindermundspruch“  Deiner Kinder

Schulze´s Kindermund:

Frida (3) spielt Kaufladen: „Was möchten Sie kaufen?“

„Ich möchte Schlaf kaufen, bitte.“

„OK. Mit oder mit ohne Glitzer?“

 

Liebe JuSu, vorweg erst mal ein dickes Dankeschön, dass Du hier bei mir zu Gast warst. Ich erkenne mich in so vielen Deiner Antworten wieder und musste das ein oder andere Mal kräftig nicken, als ich Deine Antworten las. Außerdem habe ich nun das große Bedürfnis Dich mal persönlich kennen zu lernen. Du bist eine tolle und starke Mami und hast bestimmt viel zu erzählen. Vielleicht haben wir ja mal das Glück und sehen uns bei einem Blogger-Treffen oder einer Veranstaltung.

Zum Schluss möchte ich Euch ans Herz legen auch mal bei facebook oder Twitter bei Mama Schulze vorbeizugucken. Außerdem gibt´s Einblicke in den Schulze-Alltag bei Instagram unter Mama_Schulze.

Nächste Woche folgt an dieser Stelle das nächste Mama-Interview! Ihr habt auch Lust mitzumachen und Rede und Antwort zu stehen? Dann schickt mir eine kurze Mail an familiemotte@email.de – ich freu´ mich auf viele spannende Antworten…

Habt ein schönes Wochenende

Eure Anna

 

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