Jetzt mal ehrlich Mama…Heute zu Gast: Jessy von „Zwerg & Meer“ #malehrlichmama

Ich habe ja wirklich den aller größten Respekt vor alleinerziehenden Mamis. Bevor ich selbst Mama wurde, konnte ich mir nicht im entferntesten ausmalen, wie viel Arbeit so ein Kind macht. Und nun, wo ich es weiß, bin ich froh, dass ich einen tollen Mann und Papa an meiner Seite habe, der es mir ermöglicht, auch mal eine kurze Auszeit vom Mama-Sein zu nehmen. Und gleichzeitig auch, dass wir uns finanziell und in allen anderen alltäglichen Dingen gegenseitig unterstützen und aufeinander verlassen können.

Mein  heutiger Gast – die liebe Jessy vom Blog „Zwerg & Meer“ – ist alleinerziehend und schreibt darüber unter anderem auf ihrem Blog. Zudem ist sie – wer könnte das nicht verstehen – verliebt in meine Heimatstadt Hamburg und hat selbst vier Jahre hier gelebt. Ich habe ihren Blog im Zuge dieser Interviewreihe hier entdeckt und freue mich sehr, dass sie heute bei mir zu Gast ist und mir Rede und Antwort steht.

Über die Mama und den Blog 

Bildrechte: Zwerg & Meer

Bildrechte: Zwerg & Meer

Bitte stelle Dich kurz vor und erzähle, was uns auf Deinem Blog erwartet…

Die Ostseemama: das bin ich, Jessy, Baujahr ´86, aus dem Hansestädtchen Greifswald. Im Herzen ein Küstenkind. Verliebt in Hamburg, meine Perle. 4 tolle Jahre dort verbracht und mein Herz ist wohl dort geblieben.  

Ich bin eine Chaotin durch und durch. Vergesse gern mal was, bin aber im tiefsten liebevoll und für (fast) jeden Mist zu haben. Seit Juni 2013 bin ich dem Häkeln verfallen, aber absolut kein Profi. Und im Januar 2014, da kam die nächste ganz böse Sucht. Das Nähen. Wer näht, weiß was das bedeutet?! :-D. Seitdem gibt es hier ganz viele tolle, selbst genähte Sachen.

Und für wen?

Für den OstseeZwerg: auch der Mini-Chef, Baujahr ´11. Dieser stellt mein Leben gänzlich auf den Kopf. Aber wir haben uns schon gut an einander gewöhnt.

Vor fast 2 Jahren kam mir der Gedanke, ich möchte auch einen Blog. Sehr spontan ist dann alles entstanden 🙂 Darin bin ich immer gut 😉 Anfangs waren es nur ein paar Posts, von diesem und jenem Thema. Mittlerweile hat sich der Blog schon einen kleinen Namen gemacht. Es geht dabei um unser Leben, was einem im Alltag so begegnet. Gerade wenn man Alleinerziehend ist, braucht man für manche Sachen einfach ein Ventil – um Luft abzulassen. Und genau das habe ich damit geschaffen. Neben unserem Leben gibt es auch ein paar Dinge zum Nähen und Häkeln. Eine bunte Mischung halt. Aber genauso mag ich es irgendwie.
Muttersein ist für mich…

…das Schönste, was mir je passieren konnte. Früh wollte ich schon Kinder, aber es kam am Ende alles anders als geplant, daher ist das Muttersein an manchen Tagen auch eine wahre Zerreißprobe. Doch wenn ich dann in dieses kleine, frech grinsende Gesicht schaue, weiß ich: es lohnt sich alles.

Wenn ich mal nervlich am Ende bin, dann tanke ich neue Kraft am besten beim…

…Nähen. Das ist für mich der beste Ausgleich. Dazu Musik und ich kann für einen Moment abschalten und alles um mich herum vergessen. Das gute dabei: so wird der Schrank an manchen Tagen ganz schnell neu gefüllt 😀

Jetzt mal ehrlich liebe Jessy…

Welche Eigenschaft als Mama kannst Du an Dir nicht ausstehen? Und welche magst Du ganz besonders?

In manchen Dingen bin ich einfach nicht konsequent genug und kann mich nur schwer durchsetzen. Und genau diese Lücke wird hier gern ausgenutzt. Denn wenn der Zwerg bitterlich anfängt zu weinen und zum Kuscheln kommt, wer kann da schon böse sein? Was ich besonders mag ist, wenn man als Mama auch noch mal Kind ist. Man erlebt dadurch Vieles nochmal intensiver und merkt wie schön das Ganze doch sein kann.

Bist Du spießiger geworden, seit Du Mama bist? Und wenn ja: in welchen Dingen?

Hmm,  ich würde sagen eher weniger. Bisher ist mir dabei nicht wirklich etwas aufgefallen. Ich sehe vieles locker und sage mir einfach: das muss so sein.

Wie bringt Dich Dein Kind am schnellsten zur Weißglut? Welche Eigenschaften Deines Kindes bringen Dich auf die Palme?

Was ich so gar nicht leiden kann: wenn wir mit der Oma unterwegs sind und der Zwerg meint es herrscht Narrenfreiheit. Und wehe ich bin dann die Böse und sage etwas dazu. Dann geht´s los: das Theater. Erst Gebocke und wenn das nicht hilft ein Schreikonzert in Tonlagen, da hilft auch Oropax nicht mehr 😉 Da könnte ich dann ja immer schreiend im Kreis rennen, was aber nichts bringt. Das ist so das Anstrengendste an allem. Diese Machtkämpfe. Denn der kleine Herr meint, er ist der Chef im Haus und was ich sage hat so gar keine Bedeutung. Dazu dann ein ganz freches Grinsen. Dabei standhaft zu bleiben, fällt manchmal schon schwer.

Was magst Du nicht an Deinem Kind und was besonders?

Wenn  er quietscht und schreit ohne Grund. Ich mag das nicht, wenn er mich „anschreit“. Er ist Fremden gegenüber immer höflich und ist ein kleiner Prinz Charming.

Hat Dein Kind Dich schon mal in eine peinliche Situation gebracht? In welche?

Als er noch Baby war, musste er sich immer an mir festhalten. Besonders an Oberteilen. Wir waren unterwegs und ich trage mein Kind, er hält sich fest und ich stehe fast nur noch im BH da. Das war mir ein wenig unangenehm. Und er hat das nur zu gern gemacht mir alles freizulegen 😀

Welcher ist der beste Ratschlag, den Du jemals als Mama bekommen hast? Und auf welchen hättest Du gern verzichtet?

Der beste: dass man sein Kind nie mit anderen vergleichen sollte. Denn alle entwickeln sich so anders. Und diese ganzen Tabellen und Statistiken, die sagen Dann und Dann muss ein Kind Dies und Das können sind am Ende nur Streß für einen. Einfach auf das Mama-Bauch-Gefühl hören. Dann handelt man auch richtig. Lass das Kind doch auch mal schreien – ein Rat der mich oft an meine Grenzen brachte, denn es tat mir in der Seele leid, dieses kleine Etwas so schreien zu hören. Das konnte ich nie.

Dein ultimativer Tipp gegen Trotzanfälle in der Öffentlichkeit?

Oh da hab ich so gar keinen. Wenn das bei uns passiert, dann wird das schreiende Kind an die Hand genommen und wortlos „mitgezogen“. Und die Blicke der anderen gekonnt ignoriert.

Wie überredest Du Dein Kind wenn es etwas nicht will?

Manchmal geht das nur mit kleiner Erpressung. Dass ich ihm etwas Kleines verspreche. Sei es was Süßes oder er darf dann einen Film schauen. Es kommt aber zum Glück relativ selten vor (bisher) das ich ihn überreden muss.

Welche Sorte Eltern nervt Dich so richtig?

Die, die immer alles besser wissen. Und ja: alles immer richtig machen. Aber die Kinder am Ende so gar nicht erzogen sind und alles machen dürfen, egal was.

Findest Du andere Kinder manchmal nervig und warum?

Ja, manchmal kann ich fremde Kinder gar nicht leiden. Wenn die sich benehmen wie die „Axt im Walde“. Alles gehört ihnen und geteilt wird nicht. Wird jemand verletzt? Scheiß drauf, einfach weiter machen. So was nervt mich immer.

Bildrechte: Zwerg & Meer

Bildrechte: Zwerg & Meer

Glaubst Du manchmal, dass Du eine schlechte Mama bist? Warum/in welcher Situation?

Manchmal schon. Weil ich meinem Zwerg nicht alles bieten kann, was er verdient hat. Klar, er bekommt wirklich viel, aber ich würde gern auch mal einfach so was machen können. Was aber bei uns einfach nicht drin ist. Ich fühle mich dann ein wenig schlecht, weil er den Kindesvater nicht kennt und dieser einfach in seinem Leben fehlt.

Hast Du Dein Kind schon mal als Ausrede benutzt? Wann?

Oh ja, er war schon ein paar Mal meine Ausrede. Wenn ich keine Lust hatte, mich mit jemandem zu treffen, dann war er eben müde, krank oder so.

Was willst Du in der Erziehung Deines Kindes auf keinen Fall so machen wie Deine Eltern? Und was auf jeden Fall genauso?

Ich möchte eine harmonische Beziehung zum Zwerg haben. Er soll wissen, dass er sich immer auf mich verlassen kann und dass er geliebt wird. Das kam bei mir nie richtig rüber. Es gibt so eigentlich nichts, was ich genauso machen würde.

Was kannst Du von Deinem Kind lernen? 

Die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen. Mit dem Alter vergisst man den Blick für so vieles. Aber ist ein Kind da sieht man plötzlich wieder überall Schmetterlinge, die ersten Frühlingsblumen. Man begibt sich auf Augenhöhe mit den Kindern und lernt wieder die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Es muss nicht immer teuer und groß sein. Es tut auch was Kleines, mit Liebe gemachtes.

Rechnest Du insgeheim manchmal zwischen Dir und Deinem Partner auf: so nach dem Motto: warum muss ich das eigentlich immer alles allein machen?

Es gibt hier zwar keinen Partner, aber trotzdem rechne ich mit dem Kindesvater ab. Dass er sich eben nicht um den Zwerg kümmert und nicht mal nachfragt wie es ihm geht. Oder uns einfach ein wenig finanziell unterstützt.

Die größte Lüge seit ich Mama bin ist…

…dass man mit Kind überall gern gesehen ist. Weder ist es auf dem Arbeitsmarkt alles einfach, noch im normalen Alltag. Es ist Vieles noch recht kinderunfreundlich eingestellt. Möchte man etwas unternehmen muss man oft tief in die Tasche greifen. Ist man mit Baby unterwegs wird man schief angeschaut, wenn man sich den Weg freimachen muss um mit dem Kinderwagen irgendwo durchzukommen.

Was hast Du in der allerersten freien Zeit ohne Kind gemacht?

An meinem ersten kinderfreien Abend bin ich einfach früh ins Bett und habe nur TV geschaut und früh geschlafen. Das war einfach purer Luxus für mich.

Was ist Familienglück für Dich (neben den allgemeingültigen Dingen wie Gesundheit o.ä.)?

Familienglück ist für mich die Bindung zwischen Kind und Mama (Papa). Es ist so etwas Besonderes, was mit der Zeit immer mehr wächst und an Liebe gewinnt. Etwas so Schönes, was einem vorher niemand hätte beschreiben können. Und diese Bindung kann das Allerschönste sein.

Dein bisher schönstes Mama-Kind-Erlebnis war…

…der Moment des Blind-Dates, als ich den Zwerg endlich kennenlernen durfte. Dieser Moment war so besonders für mich und eines der wichtigsten und schönsten Erlebnisse. Ein Moment, an dem die Welt kurz stehen blieb für mich.

Wann hast Du Dir das letzte Mal die größten Sorgen um Dein Kind gemacht?

Als der Zwerg das letzte mal so hoch gefiebert hat. Über 40°, da habe ich dann immer ein wenig Sorge, weil es recht spontan kommt und ich nicht weiß, was er hat. Man fühlt sich dann so hilflos, wenn man das eigene Kind so leiden sieht.

Welche Werte/Leitsätze o.ä. willst Du Deinem Kind mit auf seinen Weg geben? 

Sei immer höflich Anderen gegenüber. Mit einem „Bitte“ und „Danke“ kommt man im Leben oft weiter. Man sollte auch andere Meinungen akzeptieren, denn es denkt nicht jeder gleich, was jeden zu etwas Besonderem macht.

Nenne eine Sache (materiell), die aus Deinem Mama-Alltag nicht mehr wegzudenken ist, weil sie den Alltag erleichtert, schöner macht etc., und die Du jeder Mama ans Herz legen möchtest

Eine gute Kamera. Eine Sache, die ich nicht missen möchte, denn gerade im Babyalter verändern sich Kinder so schnell und man möchte doch alles in Erinnerung behalten. Wir haben im ersten Jahr so viele Fotos gemacht. Da war meine Kamera mein stetiger Begleiter.

Wenn Ihr ein ganzes Wochenende so viel Zeit und Geld hättet, wie Ihr wollt, was würdet Ihr machen/unternehmen?

Wenn ich diese Möglichkeit hätte, würde ich ein ganzes Wochenende mit dem Zwerg im Disneyland verbringen. Da wir beide Disney lieben und ich dieses Leuchten in den Kinderaugen sehen würde, wäre das Zeit, die etwas wirklich schönes wäre. Einfach ein ganzes Wochenende voller Kindheitshelden und neuen, tollen Erinnerungen schaffen.

 

Wie immer an dieser Stelle: wer noch mehr über Jessys Leben mit ihrem Zwerg erfahren möchte, der sollte sie bei facebook, Twitter oder Instagram besuchen.

Herzlichen Dank liebe Jessy für Deine ehrlichen Antworten und den Einblick in Deine Mama-Gedanken – Du hast meinen ehrlichen Respekt dafür, dass Du Dein Leben als alleinerziehende Mama so toll meisterst.

Nächste Woche folgt an dieser Stelle das nächste Mama-Interview! Ihr habt auch Lust mitzumachen und Rede und Antwort zu stehen? Dann schickt mir eine kurze Mail an familiemotte@email.de – ich freu´ mich auf viele spannende Antworten…

Habt ein schönes Wochenende

Eure Anna

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