Klartext // Müssen wir es mit unserem Erziehungsstil jedem Recht machen?

Die Debatte bei Herzmutter Janina, die einen polarisierenden Beitrag zum Thema „Helicopter Mum“ geschrieben hat, hat mich dazu bewegt, genau diesen Post heute zu veröffentlichen. Janina hat einen sehr ehrlichen und unzensierten Artikel darüber geschrieben, dass sie die Kinder, mit denen ihre Tochter in Kontakt kommt, teilweise nicht leiden kann, und sie ihre Tochter – wenn es irgendwie möglich wäre – am liebsten von diesen fernhalten möchte. Daraufhin brach ein ziemlich Shitstorm über sie herein, den vollständig zu lesen ich nach ein paar Kommentaren aufgegeben habe.

Obwohl ich Janinas Meinung ebenfalls kritisch sehe – warum darauf komme ich später noch – finde ich an dieser Stelle: es reicht! Janina trägt ihr Herz auf der Zunge (zumindest was das Schreiben angeht), und ich finde, dass es ihr erlaubt sein muss, auf ihrem Blog  offen und ehrlich darüber zu schreiben was sie bewegt. Und ich finde auch, dass sie es nicht jedem Recht machen muss mit ihrer Meinung und ihrem Erziehungsstil.

Kritik ja, Beleidigungen nein!!

Natürlich kann man gesagte Dinge und Meinungen kritisch hinterfragen. Ich denke, dass es auch in Janina´s Sinne ist, Diskussionen anzuregen und zu führen. Immerhin eröffnet uns dies Sichtweisen, die wir bis dahin vielleicht noch gar nicht erkannt haben. Und oft erweitert es auch den Horizont. Aber ich finde diese Kritik sollte respektvoll und kontruktiv sein und nicht verletztend, anmaßend und unfair.

Nur wir selbst – und enge Freunde und Familie – erleben doch, wie es unserem Kind geht, was es braucht, wie es tickt. Und nur wir – als Mütter oder Väter – wissen, was am Besten für unser Kind ist. Denn sind wir doch ehrlich: wir wollen alle das Beste für unsere Kinder, weil wir sie lieben und achten und möchten, dass sie einmal stark und selbstbewusst durchs Leben gehen.

Die Situationen, die Janina in ihrem Beitrag schildern können wir doch gar nicht exakt beurteilen. Wir sind doch gar nicht dabei, und sehen nicht, wie die Kinder ihre Tochter behandeln. Und selbst wenn wir es wären, gibt uns das das Recht darüber zu urteilen, ob sie sich zu Unrecht Sorgen oder Gedanken macht? Nein, denn Janina hat diese Gefühle nun mal, und soll sie sie einfach abstellen oder unterdrücken, weil die Mehrheit es von ihr erwartet?

Man muss nicht einer Meinung sein. Aber die des anderen respektieren!

Außerdem erwähnt sie ja auch mit keinem Wort, dass sie ihrer Tochter den Umgang mit diesen Kindern verbietet. Sie schreibt lediglich, dass sie kein gutes Gefühl dabei hat.Vielleicht lässt sie ihre Tochter ihre eigenen Erfahrungen machen. Aber ist es nicht völlig normal, dass man ein wachsames Auge auf sein – immerhin erst 1,5-jähriges – Kind hat? Schließlich ist ihre Tochter ja noch kein Teenager, die sich schon sehr gut allein verteidigen kann.

Wie gesagt: mir gefällt auch nicht alles, was sie in diesem Artikel schreibt. Die Berührungsgrenze, die Janina hat, muss nicht gleich unangenehm für ihre Tochter sein. Und die Worte die sie für das Mädchen wählt, dass sie und ihre Tochter belagert, hätte ich vielleicht anders gewählt. Und auch ich bin der Meinung, dass Kinder in diesem Alter sicher nicht berechnend und absichtlich böse, sondern oft einfach Opfer der Umstände und der Erziehung sind. Aber nur weil ich anderer Meinung bin als sie, gibt mir das doch noch lange nicht das Recht, sie persönlich anzugreifen oder gar zu beschimpfem.

Trotzdem ist das was sie schreibt ehrlich – auch wenn es nicht jedem gefällt. Und das muss es ja auch nicht. Es wird in jeder Lebenslage und bei jedem erdenklichen Erziehungsstil Meinungsverschiedenheiten geben. Dem einen sind wir zu nachgiebig, dem anderen zu streng, wieder andere bemängeln dass wir zu wenig auf unser Bauchgefühl hören und unser Kind verplanen. Ständig sind wir irgendwelchen Kritiken von Menschen ausgesetzt, die es angeblich so viel besser machen und wissen.

Jeder Erziehungsstil ist anders: ein Plädoyer für mehr Toleranz!!

Warum gehen wir nicht ein bißchen toleranter durchs Leben und ertragen es einfach mal, dass neben der unseren auch noch andere Meinungen existieren, die vielleicht nicht für uns, aber eben für andere ebenso wahr sein können.

Wir sind schließlich alle Eltern, die ihre Kinder lieben und beschützen möchten – egal was kommt. Und solange dabei kein Kind zu Schaden kommt, sollten wir lernen, die Meinung der anderen so zu respektieren, wie wir auch selbst respektiert werden wollen.

In diesem Sinne: liebe Mit-Mamis & Papis:  seid stolz auf das was Ihr leistet – jeder einzelne von Euch da draußen – und lebt Euren Kindern vor, was in einer Gesellschaft, die funktionieren soll, wirklich wichtig ist: Respekt und Toleranz!

Habt einen wunderbaren Abend,

Eure Anna

 

9 Comments

  • Herzmutter

    14. August 2014 at 21:49

    Liebe Anna, ich habe gerade Tabula Rasa gemacht und die meisten meiner „hardcore Beiträge“ rausgeschmissen, u.a. auch den von dir genannten. Auch wegen deinem Beitrag hier. Wenn es so ankommt als würde ich Kinder beschimpfen… nichts liegt mir ferner. Ich schreibe einfach nicht mehr was ich denke, so wie andere Leute auch. Oder nur das, was man auch nicht in den derbe falschen Hals kriegen kann. Liebe Grüße, Janina

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    • Mama Motte

      14. August 2014 at 21:59

      Liebe Janina, ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass Du ein Kind beschimpft hast, und glaube auch nicht dass Du das tust! ich glaube, dass ich deutlich gemacht habe, dass Du lediglich Deine Gedanken ehrlich geäussert hast! ich finde es traurig, dass Du durch die vielen negativen Kommentare dazu gezwungen bist, persönliche Beiträge zu löschen! Und ich hoffe nicht, dass nun ausgerechnet mein Beitrag der Grund dafür war!

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  • stoefftier

    14. August 2014 at 22:44

    Recht hast du.
    Ich verstehe nicht, wieso man andere immer angreifen muss und ihnen die eigene Meinung aufzwingen oder beschimpfen muss.
    Es wird Zeit dass unsere Gesellschaft toleranter wird. Und vielleicht auch manchmal mit ihren Gedanken hinterm Berg hält.

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  • blumenelfe

    15. August 2014 at 1:47

    Wie so oft ist Toleranz das Schlüsselwort. Ich finde es schade, dass Janina so harte Kritik einstecken musste & nun das was ihren Blog aus macht… was sie selbst ist, löschen „musste“.
    Manche Stellen fand ich auch recht kritisch, aber hey, die Gedanken sind frei und ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur eine der anderen Mamas noch nie so gedacht hat. So lange man es nicht ausspricht und die kleinen Kinder nicht arg spüren lässt, kann man denken und schreiben was man will. Zumindest sollte man es können 🙁

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    • Mihaela

      15. August 2014 at 10:56

      Ich bin ganz deiner Meinung! „Toleranz“ ist eher ein Fremdwort für unsere Gesellschaft. Viele Mütter haben bestimmt ähnliche Gedanken wie Janina, aber keiner traut sich sie einfach auszusprechen. Und wenn einer den Mut hat, es zu tun, ist dann als der „Böse“ bezeichnet. Wir sind doch alle Erwachsen… Wieso benehmen sich viele dann alt zickige Kinder?!

      Liebe Grüße,

      Mihaela

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  • MamaOTR

    2. September 2014 at 20:16

    Ich glaube, Dein Artikel zeigt, wie schnell man ungewollt in einem Mommy War landet, ohne jegliche böse Absicht – einfach nur, weil es Missverständnisse gibt. Leben und leben lassen, aber eine eigene Meinung haben – ich finde das voll OK 🙂

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  • Sam

    6. September 2014 at 20:47

    Du hast die passenden Worte zu einem Thema gefunden, das uns alle angeht!
    Und nur wir alle, Mütter und Väter können erreichen, dass wir uns nicht mehr gegenseitig niedermachen, sondern uns gegenseitig unterstützen und respektieren.

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