Jetzt mal ehrlich Papa…Heute zu Gast: Johnny von „Weddinger Berg“ #malehrlichmama

Ja, Ihr habt Euch nicht verlesen…heute darf ich im Rahmen meiner Interviewreihe endlich mal einen Papa befragen. Bisher haben sich die Papablogger ja eher vornehm zurückgehalten…und ich freue mich ganz besonders, dass es ein Papa ist, in dessen Blog ich selbst immer wieder reinlese, weil er so wunderbar ehrliche Worte für seine Paparolle findet. Und weil es so wirkt, als ob er sich selbst dabei nicht allzu ernst nimmt. Und weil er oft herrlich ironisch ist. Und das mag ich sehr.

Von wem hier die Rede ist? Natürlich von Johnny vom Blog „Weddinger Berg„, der mitten aus dem schönen Berlin bloggt, wo er mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter lebt. Falls Ihr seinen Blog nicht kennt, habt Ihr wirklich etwas verpasst, und solltet unbedingt mal vorbeilesen. Bisher hatte ich noch nicht das Vergnügen Johnny mal persönlich kennenzulernen, hab´mir aber von anderen Blogger-Kolleginnen sagen lassen, dass er „in echt“ genauso unterhaltsam ist wie er schreibt. Also vielleicht klappt es ja bei einem der nächsten Bloggertreffen mal…

Aber nun genug der langen Rede, jetzt kommt Johnny zu Wort:

Über den Papa und den Blog

Bitte stelle Dich kurz vor und erzähle, was uns auf Deinem Blog erwartet

Als frischer Vater einer töchterlichen Urgewalt berichte ich über unser Familienleben im wunderschönen Wedding, Berlin. Nicht immer so ganz ernst gemeint, nicht immer so ganz korrekt, aber dafür immer ehrlich. Gestatten, mein Name ist Johnny, willkommen auf’m Weddinger Berg.

Bildrechte: Weddinger Berg

Bildrechte: Weddinger Berg

Papasein ist für mich…

…weniger jammern, mehr machen! Zu viele Papas im Internet und in den Medien jammern mir zu viel. Sie seien überfordert oder sie vermissten ihr altes Leben. Herjemine. Papasein ist auch für mich eine Herausforderung, die sich nach fast einem Jahr allerdings erstaunlich normal anfühlt. Ich vermisse nichts. Aber wie es heißt es schön: Je näher man dem Wahnsinn ist, desto weniger spürt man ihn. Ich sage: Hello Wahnsinn, my old friend. I’ve come to talk with you again. Das ist der Sound des Papaseins.

Wenn ich mal nervlich am Ende bin, dann tanke ich neue Kraft am besten beim…

Mir tut es gut, wenn ich die entsprechende Situation nicht versuche zu vermeiden, sondern sie aktiv aufsuche. Das klingt vielleicht widersinnig, aber mir hilft’s. Kraft tanke ich tatsächlich im Alltag und nicht außerhalb.

Jetzt mal ehrlich lieber Johnny…

Welche Eigenschaft als Papa kannst Du an Dir nicht ausstehen? Und welche magst Du ganz besonders?

Geduldiger möchte ich sein. Nicht, das ich die Fassung verliere. Nein. Dennoch spüre ich manchmal Ungeduld oder Frust aufkommen. Und auch, wenn das wohl völlig normal zu sein scheint, manchmal wünschte ich, es wäre anders.

Bist Du spießiger geworden, seit Du Papa bist? Und wenn ja: in welchen Dingen?

Ich habe viel Zeit mit Punks verbracht, aber selbst war ich nie einer. Und jetzt weiß ich auch nicht mehr, was spießig ist und was nicht. Vielleicht ist es das, dass ich mir seit neuestem vorstellen kann, einen kleinen Garten zu haben. Komplett mit Laube und Gartentor. Wie so ein echter Pieper. Sogar ein Haus mit Garten schließe ich nicht mehr aus. In Berlin aber müsste es schon sein. So viel punk muss sein. Nach Brandenburg ziehen, so wie viele andere das getan haben, das werde ich nicht. Niemals nie und drei mal schwarzer Kater Nein.

Wie bringt Dich Dein Kind am schnellsten zur Weißglut? Welche Eigenschaften Deines Kindes bringen Dich auf die Palme?

Über meine Tochter heißt es, sie habe eine sehr starke Persönlichkeit und wisse genau, was sie will. Mit ihren 11 Monaten trifft das auch wirklich zu. Sobald sie aber müde ist, will sie alles und zwar alles sofort und sobald sie es hat, will sie etwas anderes. Und zwar auch sofort. Das hat Potential, mich sehr schnell auf die Palme zu bringen.

Was magst Du nicht an Deinem Kind und was besonders?

Insgeheim aber mag ich ja, dass sie bereits einen starken Willen zu zeigen scheint. Und auch, wenn es manchmal eine Herausforderung ist: Ich mag, dass sie ihrem Willen und ihre Emotionen stets sehr deutlich und vor allem laut (=offen) äußert. Leise Kinder kann ich mittlerweile nicht mehr ernst nehmen.

Hat Dein Kind Dich schon mal in eine peinliche Situation gebracht? In welche?

Eigentlich nicht, nein. Dafür ist sie noch zu jung und ich zu hartgesotten, fürchte ich. Das kann sich aber alles natürlich noch ändern und insgeheim rechne ich sogar damit.

Welcher ist der beste Ratschlag, den Du jemals als Papa bekommen hast? Und auf welchen hättest Du gernverzichtet?

Auf den besten Ratschlag warte ich im Grunde bis heute, denn auf alle bisherigen hätte ich getrost verzichten können. Irgendwann werde ich Papa-Antiratgeber schreiben, in dem alle schlechten Tipps versammelt sind. Das Anti-Papa-Ratschlag-Kompendium, oder so ähnlich. Was ich für mich selbst gelernt habe:

1) Lass die Anderen reden

2) Gib Dir selbst Zeit und zwar viel davon

3) Als Papa darf man auch frustriert sein

Dein ultimativer Tipp gegen Trotzanfälle in der Öffentlichkeit?

Wenn ich das bloß wüsste…

Wie überredest Du Dein Kind wenn es etwas nicht will?

Ich versteh die Frage nicht. Das ist schier unmöglich.

Welche Sorte Eltern nervt Dich so richtig?

Vergleicheritis bzw. Mommy Wars. Eltern, die sich über ihre Kinder und ihre Entwicklung definieren. Man darf natürlich stolz auf seine Kinder sein. Wer sich jedoch auf Kosten anderer bzw. auf den Rücken seiner Kinder über andere Eltern erheben muss, um sich selbst gut zu fühlen, der kann, darf und soll mir gestohlen bleiben. Oder muss damit rechnen, in meine Kettensäge zu fallen. Huch.

Findest Du andere Kinder manchmal nervig und warum?

Manchmal. Dann, wenn sie entweder mehr von meiner Zeit und meiner Aufmerksamkeit wollen, als ich bereit bin zu geben oder wenn sie nicht mehr nur aufmüpfig sind, sondern deutlich respektloses Verhalten gegenüber den eigenen Eltern oder Mitmenschen zeigen. Das nervt mich. Laute Kinder hingegen stören mich nicht.

Glaubst Du manchmal, dass Du ein schlechter Vater bist? Warum/in welcher Situation?

Ich gebe mein Bestes und hoffe, dass es reicht. Nur während meiner Zeit als Vollzeitarbeiter hatte ich das Gefühl, zu abwesend im Leben meiner Tochter zu sein. Deswegen habe ich meinen Vollzeitjob gekündigt: Um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können.

Hast Du Dein Kind schon mal als Ausrede benutzt? Wann?

So etwas würde ich niemals tun. Es sei denn, ich bin müde und möchte lieber zu Hause bleiben. Oder wenn ich meine Schuhe nicht finden kann. Oder ich vergessen habe, was im Fernsehen so läuft.  Dann vielleicht mal, ja. Oder wenn die Kleene krank ist, dann natürlich auch. Aber sonst eigentlich nie, nein.

Bildrechte: Weddinger Berg

Bildrechte: Weddinger Berg

Was willst Du in der Erziehung Deines Kindes auf keinen Fall so machen wie Deine Eltern? Und was auf jeden Fall genauso?

Weder das eine, noch das andere. Man kann meine Situation heute auf gar keinen Fall mit der meiner Mutter damals vergleichen. Das wäre unfair. Sie hat gekämpft und ihr Bestes gegeben. Das wiederum würde und werde ich auch tun. Nur ein echtes Familienleben, das hatten wir nie. Das möchte ich für meine Tochter natürlich ändern.

Mit wem kommt das Kind dreckiger vom Spielplatz? Wer ist ängstlicher? Wer konsequenter? Wer sorgt eher für gesunde Ernährung: Mama oder Papa?

Ich bin für gesunde Ernährung zuständig und generell vielleicht etwas umsichtiger. Mama hingegen ist ein wenig konsequenter. Vom Spielplatz kommt das Kind noch am saubersten zurück, so viel ist sicher.

Was kannst Du von Deinem Kind lernen?

Lässt sich noch nicht sagen. Die Art, wie meine Tochter mit ihren 11 Monaten uns und auch anderen Menschen zu vertrauen scheint, das finde ich manchmal beängstigend. Ich wünschte, ich hätte dieses Vertrauen. Einerseits. Andererseits will ich nicht, dass sie irgendwann in ihrem Leben enttäuscht wird und dieses Menschenvertrauen verliert.

Rechnest Du insgeheim manchmal zwischen Dir und Deiner Partnerin auf: so nach dem Motto: warum muss ich das eigentlich immer alles allein machen?

Nein. Mama und Papa teilen, vielleicht nicht 50:50, aber doch 40:60 zu ihren (Un-)Gunsten. Ist sie frustriert, übernehme ich (manchmal zähneknirschend). Aufrechnen passt hingegen nicht zu uns.

Die Eltern-Pflichten sind manchmal lästig: stillen, wickeln, anziehen etc. – für welche findest Du Ausreden, damit sie Deine Partnerin übernimmt, wenn es möglich ist?

Meine Tochter lässt sich manchmal lieber von mir wickeln, als von ihrer Mama. Widerstand ist dann zwecklos und ich füge mich. Dann versuche ich, aus der „Pflichtzeit“ „Lustige Papazeit“ zu machen. Das klappt ganz gut und meiner Tochter gefällt’s auch.

Die größte Lüge seit ich Papa bin ist…

Endlich eine einfache Frage! Die für mich eindeutigste Lüge ist: Als Vater würde man ruhiger werden. Man würde gelassener, geduldiger mit seiner Umwelt umgehen. Nein! Ich klage an. Das ist eine große Verschwörung. Ich bin noch immer genau der gleiche größenwahnsinnige Chaos-Choleriker, der ich immer war.

In meinem Leben als Vater bin ich weder ernster noch ruhiger geworden. Ich mache mir bloß plötzlich um ungewohnte Dinge Gedanken wie beispielsweise Hirsekringel, Vereinbarkeit oder überforderte Erzieher.

Was hast Du in der allerersten freien Zeit ohne Kind gemacht?

Ich habe mir eine Pizza geholt, eine Flasche Wein dazu und dann einige Folgen bestimmter Serien geschaut. Dann habe ich mir zur Sicherheit noch eine zweite Pizza bestellt, denn Großvater sagt immer:“Auf einem Bein kann man nicht stehen!“ Natürlich habe ich das aber erst getan, nachdem ich brav die mir aufgetragenen Haushaltsaufträge abgearbeitet hatte.

Was ist Familienglück für Dich (neben den allgemeingültigen Dingen wie Gesundheit o.ä.)?

Diese Frage stelle ich mir auch noch. Ein normales Familienleben hatte ich nie. Wir sind zu dritt und wir kämpfen füreinander. Mehr muss ich nicht wissen. Besonders schön ist’s, wenn ich weiß, dass ich für die Kleene wie für ihre Mama gleichermaßen da sein kann.

Dein bisher schönstes Papa-Kind-Erlebnis war…

Die Kleene wird vollgestillt und hatte darüber hinaus für eine lange Zeit Verlustängste. Und manchmal fällt sie noch immer in diesen Modus zurück. Immer seltener zum Glück. Wenn die Kleene und ich also volle zwei bis drei Stunden völlig allein sein und eine gute/vertraute Zeit gemeinsam haben können, dann ist das das Schönste. Vieles ist für uns komplizierter als scheinbar für andere. So ist das nun mal und das ist auch ok so.

Wann hast Du Dir das letzte Mal die größten Sorgen um Dein Kind gemacht?

Vor einigen Tagen, als das Kind 30min. am Stück gebrüllt hat und wir nicht wussten, warum. Manchmal weiß ich einfach nicht, was los ist. Mittlerweile kann ich mit dieser Unwissenheit aber besser umgehen und male keine Horrorszenarien mehr an die Wand.

Das bedeutet nicht, dass ich ruhiger geworden bin, sondern nur, dass ich manche Dinge wie z.B. Hilflosigkeit besser einordnen kann.

Welche Werte/Leitsätze o.ä. willst Du Deinem Kind mit auf seinen Weg geben?

Sicherheit und Vertrauen. Ich kenne normales Familienleben nicht, aber ich möchte, dass sie weiß, dass wir immer zusammenhalten werden.

Nenne eine Sache (materiell), die aus Deinem Papa-Alltag nicht mehr wegzudenken ist, weil sie den Alltag erleichtert, schöner macht etc., und die Du allen Eltern ans Herz legen möchtest.

Ich bin großer Anhänger von Kinderwagen. Ich finde, Tragen ist eine sehr viel schönere und angenehmere Art und Weise, sein Kind bei sich zu haben. Mein Hinweis sei: Tragerucksack, das nächste große Anhock-Spreizhaltungs-Ding.

Wenn Ihr ein ganzes Wochenende so viel Zeit und Geld hättet, wie Ihr wollt, was würdet Ihr machen/unternehmen?

Ich in bescheiden. Ein Wochenende an der Nordsee, auf einer Insel vielleicht. Mit ganz vielen Tieren für die Kleene. Oder an der Küste Südfrankreichs. Mit den Delfinen im Meer. Hauptsache Natur und ein bißchen Internet. Mehr brauche ich nicht. Und sonst? Zeit für uns als Familie, Zeit für das Kind und natürlich Zeit für uns als Paar. Und später nachts dann ein paar Stunden zum Schreiben für mich. Was sonst?

Wenn Du Lust hast, hinterlasse hier noch den witzigsten “Kindermundspruch“  Deines Kindes

Waff? Meine Tochter spricht noch keine vollen Sätze, sondern lediglich einzelne Worte, wie „waff“ oder „dadada“.

 

Vielen Dank lieber Johnny für Deinen Besuch und auch dafür, dass Du hier mit Deinen ehrlichen Antworten den Anfang machst. Schön, dass auch die Väter endlich mal zu Wort kommen. Ich hoffe ja sehr, dass sich vielleicht nun auch andere Papas trauen hier mitzumachen…mir fallen da ein paar tolle Väterblogger ein, die ich furchtbar gern mal interviewen würde.

Und Ihr könnt den „Weddinger Berg“ in der Zwischenzeit auch bei facebook, Pinterest oder Twitter besuchen.

Nächste Woche folgt an dieser Stelle das nächste Mama-Interview! Ihr habt auch Lust mitzumachen und Rede und Antwort zu stehen? Dann schickt mir eine kurze Mail an familiemotte@email.de – ich freu´ mich auf viele spannende Antworten…

Habt ein schönes Wochenende

Eure Anna

 

 

 

 

 

 

 

 

One Comment

  • Nora

    22. November 2016 at 14:11

    Wirklich ein tolles Interview mit Johnny – vielen lieben Dank hierfür, Anna.

    Gerade seine Bescheidenheit bei der Frage mit dem Wochenende mit viel Geld hat mir sehr gut gefallen.

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