Jetzt mal ehrlich Mama…Heute zu Gast: Jessi von „Terrorpüppi“ #malehrlichmama

Ich freue mich ja immer sehr, wenn ich Bloggerinnen bei mir zu Gast habe, deren Blogs ich selbst sehr liebe. Und genau das ist heute wieder der Fall. Denn heute begrüße ich Jessi vom Blog „Terrorpüppi“ im „Mal ehrlich Mama“ – Interview.

Ihren Blog lese ich seit ein paar Monaten und mag dabei besonders ihre Reihe zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf„, bei der sie viele andere Menschen zu Wort kommen lässt und das Thema mit all´seinen Facetten ausführlich beleuchtet. Auch ich dürfte bereits einen Beitrag beisteuern.

Neben dem Bloggen und Mama-Dasein studiert sie und schreibt ihre Doktorarbeit wovor ich den allergrößten Respekt habe – wissen wir doch alle, wie anstrengend und schlaflos das Leben mit Kind manchmal sein kann :-).

Und so ganz nebenbei gesagt: aufgrund des regen Austauschs mit ihr in den letzten Wochen und Monaten würde ich sie gern mal persönlich kennenlernen – mir scheint, dass sie eine echte Powerfrau ist! Vielleicht ergibt sich dazu ja irgendwann mal die Gelegenheit…

Über die Mama und den Blog

Bildrechte: Terrorpüppi

Bildrechte: Terrorpüppi

Bitte stelle Dich kurz vor und erzähle, was uns auf Deinem Blog erwartet

Hallo, ich bin Jessi, gebürtige Berlinerin und offenbar bin ich nicht ausgelastet genug in meinem Leben, weshalb ich jetzt seit über einem Jahr nebst Familie, Nebenjob, Doktorarbeit, Freunde und Hobbys auch noch blogge. Meinen Blog hab ich übrigens Terrorpüppi genannt, weil meine Tochter ein wirklich sehr lebendiges Kind ist und ich selbst auch nicht unbedingt auf den Mund gefallen bin. Ich wollte einen Namen, der nicht ganz typisch für einen Elternblog ist und trotzdem Bezug auf das Thema des Blogs nimmt. Ich schreibe letztlich zu allem, was mich seit der Geburt meiner Tochter so bewegt. Das sind nicht immer Baby- und Kleinkindthemen. Genauso kann es sein, dass ich meine eigenen Kindheitserinnerungen verblogge – oder Alltagsbegegnungen, meine Sicht auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder irgendwas ganz anderes, was mich einfach beschäftigt. Mein Blog ist wie ich selbst immer auf der Suche. Ich mag nicht festgefahren immer dasselbe tun, mich aber auch nicht krampfhaft stetig neu erfinden müssen. Ich kann aber genau sagen, was man nicht bei mir finden wird in absehbarer Zeit: reines Tagebuchblogging, Rezepte und Basteltipps.

Muttersein ist für mich…

…genau das, was ich mir immer gewünscht habe und trotzdem auch sehr anstrengend und nervenaufreibend. Zudem mag Muttersein zwar die wichtigste all meiner Rollen sein, aber keineswegs ist sie die einzige. Schließlich bin ich auch Tochter, Schwester, Partnerin, gute Freundin, Kollegin, Doktorandin oder einfach nur ich selbst. Ich bin wirklich gerne Mama und doch mag ich nicht darauf reduziert werden.

Wenn ich mal nervlich am Ende bin, dann tanke ich neue Kraft am besten beim…

…Schlafen. Ich schlafe unheimlich gerne und brauche eigentlich auch viel Schlaf. Nach einem Schläfchen sieht die Welt oft schon viel besser aus. Wenn ich allerdings zu sehr durch den Wind bin, so dass Schlafen (noch) nicht möglich ist, dann schalte ich am liebsten bei einer meiner Lieblingsserien ab. Mit den Gedanken dem Stress entfliehen, hilft mir dann, den Kopf wieder klar zu kriegen.

Jetzt mal ehrlich liebe Jessi…

Bildrechte: Terrorpüppi

Bildrechte: Terrorpüppi

Welche Eigenschaft als Mama kannst Du an Dir nicht ausstehen? Und welche magst Du ganz besonders?

Am wenigsten an mir ausstehen kann ich meine Ungeduld gekoppelt mit meinem ungnädigen Ton, den ich dann habe. Wenn ich mich manchmal so selbst höre, dann mag ich mich selbst wirklich nicht leiden. Beruflich mag mir meine Ungeduld ja sogar noch überwiegend nützen, zumal ich da meinen Tonfall definitiv besser im Griff habe. Ausgerechnet aber zu Hause fällt mir das ungleich schwerer. Meine Maus macht ja nix, um mich extra zu ärgern. Dafür ist sie noch viel zu jung und trotzdem schaffe ich es oft nicht so gelassen zu reagieren, wie ich sollte. Daran muss ich wirklich arbeiten.

Was ich gerne an mir mag, ist, dass ich gut abschalten und einfach den Moment leben kann. So kann meine Maus auch mit mir so richtig toben und Quatsch machen. Sehr oft erinnere ich mich dabei auch an meine eigene Kindheit, an mein Kindsein. Dann will ich es meiner Püppi ebenso ermöglichen, möglichst unbeschwert zu leben.

Bist Du spießiger geworden, seit Du Mama bist? Und wenn ja: in welchen Dingen?

In der Kategorie spießig/ nicht spießig denke ich eigentlich nicht. Aber manche würden das wohl so sehen. Seit ich Mama bin, gehe ich etwas seltener feiern und wenn, dann trinke ich kontrollierter. Und ich häkle neuerdings – was für viele wohl recht spießig ist. Aber wie gesagt, was sagt schon die Kategorie spießig/ nicht spießig über mich aus?

Wie bringt Dich Dein Kind am schnellsten zur Weißglut? Welche Eigenschaften Deines Kindes bringen Dich auf die Palme?

Derzeit kann meine Püppi sich noch nicht einmal halb so gut artikulieren, wie sie gerne würde. Das frustriert sie leider sehr oft so sehr, dass sie Dinge mit Absicht durch die Gegend wirft – bevorzugt beim Essen. Das bringt mich wirklich zur Weißglut, auch wenn ich weiß, dass sie das nicht böswillig meint.

Was magst Du nicht an Deinem Kind und was besonders?

In meiner Terrorpüppi erkenne ich mich immer wieder auch selbst. Das ist es, was ich in manchen Situationen unglaublich liebe und was mich in anderen Situationen definitiv auf die Palme treibt. Sie wird mal eine starke, selbstbewusste Frau, da bin ich mir sicher. Und auf dem Weg dahin wird sie mir manchmal schier den Verstand rauben…

Hat Dein Kind Dich schon mal in eine peinliche Situation gebracht? In welche?

Nein. Mir sind Sachen aber auch nicht so schnell peinlich und diese Schwelle ist – seit die Püppi da ist – noch weiter gesunken. Die Brust schaut plötzlich kurz mal raus, weil die Püppi das Shirt runter reißt? Egal.

Welcher ist der beste Ratschlag, den Du jemals als Mama bekommen hast? Und auf welchen hättest Du gern verzichtet?

Verzichten kann ich generell auf alle ungefragten Ratschläge, die eigentlich nur verpackte Kritik meinen Entscheidungen als Mutter darstellen. Das betrifft vor allem solche Fragen zum Thema Familienbett und Tragen.

Dankbar bin ich im Umkehrschluss, wenn mir andere offen von ihren Erfahrungen berichten. So kann ich mir gut selbst ein Bild machen und dann vielleicht Situationen ähnlich händeln oder eben bewusst ganz anders.

Spezielle Ratschläge kann ich weder im Positiven wie im Negativen benennen – es waren wohl zu viele…

Dein ultimativer Tipp gegen Trotzanfälle in der Öffentlichkeit?

Gegen Trotzanfälle gibt es keinen ultimativen Tipp. Das Trotzen ist ja ein durchaus wichtiger Entwicklungsschritt für Kinder. Die Frage ist deshalb: Wie um Himmels Willen überstehe ich diese Situationen ohne Amok zu laufen? Mein Tipp: Innerlich die Jeopardy-Melodie summen…

Bildrechte: Terrorpüppi

Bildrechte: Terrorpüppi

Wie überredest Du Dein Kind, wenn es etwas nicht will?

Ich versuche meist die Püppi abzulenken von ihrem Groll – und wenn es dann immer noch nicht geht, dann eben so schnell wie möglich durch die Situation hindurch.

Welche Sorte Eltern nervt Dich so richtig?

Auf der einen Seite finde ich solche Eltern besonders nervend, die ihren Weg als Familie als den ultimativ Richtigen befinden und anderen Eltern direkt oder indirekt zu bekehren versuchen bzw. ihnen Vorwürfe machen. Auf der anderen Seite finde ich aber solche Eltern, die sich gar nicht erst um ihre Kinder kümmern, noch viel schlimmer. Nur die nerven mich ja eigentlich nicht, sondern regen mich schlicht tierisch auf.

Findest Du andere Kinder manchmal nervig und warum?

Ja natürlich! Ganz viele Kinder sind nervig, nur können die oft gar nichts dafür. Wer kann schon was für seine Eltern und was die aus ihrem Nachwuchs machen… Nein im Ernst. Niemand liebt doch alle Menschen. Manche liegen einfach nicht auf der eigenen Wellenlänge und das gilt auch für Kinder. Allerdings nerven mich etliche Kinder weniger, seit ich selbst eines habe. Vieles verstehe ich überhaupt erst jetzt.

Glaubst Du manchmal, dass Du eine schlechte Mama bist? Warum/in welcher Situation?

So sehr ich mich manchmal auch über mich ärgere, bisher habe ich mich noch nie als eine schlechte Mutter betrachtet. Ich liebe meine Tochter über alles und das versuche ich ihr Tag für Tag zu zeigen. Niemand ist fehlerfrei und bestimmte Situationen würde man im Nachhinein vielleicht auch mal anders händeln, aber es kommen noch viele Gelegenheiten, in denen ich es dann besser machen kann. Mein Kind lernt jeden Tag – und ich als Mama auch. Wichtig ist doch nur, dass wir gemeinsam lernen und uns lieb haben.

Hast Du Dein Kind schon mal als Ausrede benutzt? Wann?

Ich muss zugeben, dass ich das tatsächlich schon gemacht habe – und zwar, als ich zu etwas nicht so recht Lust hatte und lieber zu Hause bleiben wollte. Aber bei guten Freunden oder der Familie vermeide ich das, denn ein ehrliches „ich habe heute einfach keine Lust“ dafür sollten doch gerade die Menschen, die einen lieben, auch mal Verständnis haben können.

Was willst Du in der Erziehung Deiner Kinder auf keinen Fall so machen wie Deine Eltern? Und was auf jeden Fall genauso?

Im Großen und Ganzen haben meine Eltern einen hervorragenden Job gemacht. Es gibt nichts, das ich auf jeden Fall anders handhaben muss, weil es so falsch gewesen sei. Trotzdem wird bei uns einiges anders laufen, denn wir sind eine andere Familie. Mein Mann und ich sind nicht wie meine Eltern und auch die Püppi ist eine eigenständige Persönlichkeit. Etliches wird anders laufen, weil es so besser zu uns als Familie passt. Zudem haben sich auch die Zeiten verändert: vieles geht halt auch nicht mehr genauso wie früher.

Mit wem kommt das Kind dreckiger vom Spielplatz? Wer ist ängstlicher? Wer konsequenter? Wer sorgt eher für gesunde Ernährung: Mama oder Papa?

Ich glaube nicht, dass wir als Eltern uns da viel nehmen. Wenn ein Kind spielt, darf es sich auch dreckig machen. Wozu gibt es denn bitte Waschmaschinen? Und wenn es um das Spielen auf dem Spielplatz geht. Ein Kind muss sich ausprobieren dürfen und wir versuchen nur die schlimmsten Gefahren abzuwenden.

Nur bei der Ernährung, da ist der Papa definitiv mehr hinterher. Ich drück da auch eher mal ein Auge zu. Auch sonst ist er ein wenig konsequenter als ich. Aber ich lasse auch nicht alles durchgehen, aber ich finde es auch unnötig, jeden Kampf aus Prinzip zu kämpfen.

Was kannst Du von Deinem Kind lernen?

Unglaublich viel sogar. Mit ihr lernt man wieder, die Welt zu bestaunen und zu entdecken, statt sich allein in seiner Wohlfühlzone aufzuhalten. Ich kann wieder viel mehr staunen und ich lerne auch mich selbst viel besser kennen. Sie ist mein neuer Spiegel.

Rechnest Du insgeheim manchmal zwischen Dir und Deinem Partner auf: so nach dem Motto: warum muss ich das eigentlich immer alles allein machen?

Nein, weil wir wirklich alles fair teilen. Nur manchmal, da rechnen wir auf, wer häufiger früh mit der Maus aufsteht, während der andere noch eine halbe Stunde schlafen darf. Leider verliere ich bei diesem speziellen Aufrechnen, denn er steht definitiv ein klein wenig häufiger früher auf.

Die Mama-Pflichten sind manchmal lästig: stillen, wickeln, anziehen etc. – für welche findest Du Ausreden, damit sie Dein Partner übernimmt, wenn es möglich ist?

Bei uns war nichts von dem jemals eine reine Mama-Pflicht. Ich hatte von Anfang an gepumptstillt, also sowohl Muttermilch abgepumpt und dann mit der Flasche gegeben als auch mit der Brust gestillt. So konnte der Papa auch von Anfang an ran. Wickeln und Anziehen haben wir ebenfalls beide gleichermaßen gemacht, zumal mein Mann auch volle Elternzeit hatte. Er konnte ja schlecht bis nachmittags mit Wickeln und Anziehen warten.

Die größte Lüge seit ich Mama bin ist…

Da fällt mir echt nichts ein. Nicht, dass ich niemals lügen würde, aber da hat sich nichts durch die Mutterschaft verändert.

Bildrechte: Terrorpüppi

Bildrechte: Terrorpüppi

Was hast Du in der allerersten freien Zeit ohne Kind gemacht?

Pizza im Bett gegessen, währenddessen Game of Thrones gesehen und am nächsten Morgen ausgeschlafen… und zu anfangs noch häufiger auf mein Telefon geschaut – man weiß ja nie.

Was ist Familienglück für Dich (neben den allgemeingültigen Dingen wie Gesundheit o.ä.)?

Gemeinsam zusammen sein, gemeinsam stark sein. Einfach lieben ohne alles ständig zu problematisieren.

Dein bisher schönstes Mama-Kind-Erlebnis war…

Ich hatte eine sehr schwere Geburt und am Ende war es wirklich knapp mit meiner Maus und mir. Vielleicht auch deshalb war dieser Moment, als ich die Terrorpüppi das erste Mal im Arm hatte, der schönste erste Moment von uns beiden. Es folgen seitdem aber immer wieder erste schöne Momente, doch diesen einen werde ich immer konkret benennen können.

Wann hast Du Dir das letzte Mal die größten Sorgen um Dein Kind gemacht?

Ich war kurz vor Ostern mit meiner Püppi im Kulturkaufhaus Dussmann. Dort hat sie mit leeren Kisten gespielt. Ich habe ein Buch aus dem Regal genommen und nach dem Preis geschaut und als ich wieder hochschaute, da war sie weg. Ich lief zur Ecke, wo die Kisten standen, aber sie war nirgends zu entdecken und als ich noch ein paar Meter weiter lief und sie nirgends zu entdecken war, da spürte ich sie: diese Verlustangst, wie ich sie noch nie in meinem Leben zuvor verspürte. Immer panischer werdend lief ich durch die Gänge und auch zum Fahrstuhl. Ich rief nach ihr immer wieder und hatte einfach nur Angst. Und nach einer gefühlten Ewigkeit kam sie lachend hinter einem Tresen hervor. Sie war auf Erkundungstour und spielte Verstecken mit mir. So wie wir es auch zu Hause tun. Ich war so unglaublich glücklich, sie in den Armen halten zu dürfen, dass mir erst einmal die Tränen kamen.

Welche Werte/Leitsätze o.ä. willst Du Deinem Kind mit auf seinen Weg geben?

Lebe so, dass es dich glücklich macht und nicht so, dass einfach nur du die Erwartungen anderer erfüllst. Es ist dein Leben, also lebe es.

Nenne eine Sache (materiell), die aus Deinem Mama-Alltag nicht mehr wegzudenken ist, weil sie den Alltag erleichtert, schöner macht etc., und die Du jeder Mama ans Herz legen möchtest.

Die Babyhängematte La Siesta Yayita hatte unser Leben so unendlich erleichtert, dass ich sie sofort jedem raten würde. Wir hatten die Matte mit einer Klammer für Türrahmen, sodass wir die Babyhängematte sogar unterwegs nutzen konnten. Ganz toll ist, dass es Online-Verleihe dafür gibt, sodass man das auch erst einmal kostengünstig testen kann – zumal sich die einzelnen Hängematten ja auch unterscheiden.

Wenn Ihr ein ganzes Wochenende so viel Zeit und Geld hättet, wie Ihr wollt, was würdet Ihr machen/unternehmen?

Schlafen, abhängen, bloß nichts planen. Am besten in einem richtig tollen Hotel, in dem uns wirklich jede Alltagsaufgabe abgenommen wird. Und während die Püppi bei der Oma ist, genießen wir einfach unsere Paarzeit…

Wenn Du Lust hast, hinterlasse hier noch den witzigsten “Kindermundspruch“  Deines Kindes

Der Wortschatz meiner Püppi ist leider noch zu klein für einen ganzen Spruch. Aber wenigstens kann sie schon Quila (= Tequila) sagen…

 

Liebe Jessi, vielen Dank für Deine ausführlichen und ehrlichen Antworten. Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Facetten das Mama-Sein mit sich bringt, wie unterschiedlich die Sichtweisen auf viele Dinge sind und wie sich einige Antworten trotzdem unheimlich ähneln.

Nun möchte ich Euch noch ans Herz legen die „Terrorpüppi“ nicht nur auf ihrem Blog zu besuchen, sondern auch auf facebook oder Twitter bei ihr vorbeizuschauen – es lohnt sich…

Nächste Woche folgt an dieser Stelle das nächste Mama-Interview! Ihr habt auch Lust mitzumachen und Rede und Antwort zu stehen? Dann schickt mir eine kurze Mail an familiemotte@email.de – ich freu´ mich auf viele spannende Antworten…

Habt ein schönes Wochenende

Eure Anna

 

 

 

 

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