Ich hatte doch eigentlich Zwillinge mit Durchschlaf-Gen bestellt…

In den ersten elf Wochen dachte ich manchmal: „kann man diese Kinder nicht einfach zurückgeben?“.  Natürlich wollte und will ich das nicht wirklich – diese Kinder sind mein größtes Glück. Aber ich bekam so extrem wenig Schlaf und schleppte mich manchmal – mit tiefen Augenringen – regelrecht durch den Tag. Ich war oft an dem Punkt wo ich dachte: das halte ich nicht durch. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Die Nächte waren wirklich hart. Das lag aber weniger an der Minimotte, die eine wirklich grandiose Schläferin ist, sondern eher am kleinen Floh.

Die Zwillinge werden beide – ziemlich zeitgleich mit der großen Motte – zwischen 19.00 und 19.30 Uhr ins Bett gebracht. Schon ziemlich früh – so nach 3-4 Wochen – schlief die Minimotte schon mal die ersten sechs bis sieben Stunden am Stück. Der Floh leider nicht. Wenn es gut lief schaffte er mal drei bis vier Stunden am Stück. Meistens lief es nicht so gut und ich war jede Stunde wach. Zwar schlief er nach dem Trinken oft schnell wieder ein, aber ich war durch Aufstehen, Fläschchen machen oder Wickeln dann trotzdem hellwach. Bis ich wieder eingeschlafen war blieb mir dann nicht viel Schlaf bis zur nächsten Störung.

Wenn die große Motte nachts noch in mein Bett krabbelte genieße ich die Kuscheleinheit mit ihr zwar sehr, und auch sie schläft ja in der Regel sofort wieder ein, aber gleichzeit ging wieder etwas ab von meinem Schlafkonto. Zudem habe ich dann nachts gern auch mal ein Bein, einen Ellenbogen oder einen Arm in Gesicht, Rücken, Bauch oder sonst irgendeinem Körperteil, was mich auch immer wieder wach werden lässt.

Die Motte legt am 10.09. vor..

Die Motte legt am 10.09. vor..

Während der Papa also nachts weitestgehend liegen bleiben konnte (was auch völlig ok ist, da er ja am nächsten Tag arbeiten muss), weil er die Minimotte versorgt (und die ja maximal 1x pro Nacht wach wurde), rotierte ich und war nah an meinen Grenzen angekommen. Immer wieder gab es Nächte in denen der Floh mit seinem Bäuchlein kämpfte – vorzugsweise zum Ende der Nacht ab 4.30 Uhr. Dann  spuckte er ständig und litt unter Blähungen, so dass die Nacht ab da für mich vorbei war. Zwar ist er immer wieder eingeschlafen, aber nur um nach 10 Minuten wieder wach zu werden. An dieser Stelle zolle ich mir rückblickend kurz mal selbst ein bißchen Mitleid!

Ausschlafen ist hier ja eh nie angesagt, weil die Motte ab 6.30 Uhr wach ist. Wenn wir Glück haben schläft sie am Wochenende auch mal bis 7.00 Uhr. Unter der Woche ist das aber nie der Fall, denn sie geht dann ja gegen 8.00 / 8.30 Uhr in die Kita. Und da ich so dort hinbringe und wir auf dem Weg den Papa an der Bahn absetzen, kann ich also auch nicht liegen bleiben morgens um mit den Zwillingen noch eine Runde zu schlafen.

Ich versuchte dann am Wochenende – wenn der Papa auch da ist und am nächsten Tag nicht arbeiten muss – ein bißchen Schlaf nachzuholen, was aber meist nicht gelang.

Während beide im ersten Monat noch extrem viel auch tagsüber geschlafen haben, waren sie ab Monat 2 sehr viel wach – oft 2-3 Stunden am Stück. Unterbrochen wurde das nur von kurzen ungefähr 30-45 Minuten-Schläfchen tagsüber, die auch bitte ausschließlich auf dem Arm (oder in der Babyschale während einer Autofahrt) erfolgten. Der Floh schläft zudem – auch jetzt noch – im Kinderwagen gut, die Minimotte nur mit viel Glück – man könnte ja etwas verpassen. Ich muss gestehen, die Minimotte gleicht in diesem Punkt der großen Motte sehr. Auch die hat in den ersten Monaten ausschließlich auf dem Arm geschlafen, im Kinderwagen gar nicht und im Auto manchmal. Was ich allerdings wirklich doof fand: dass sie eben tagsüber auch nur schliefen, wenn sie auf dem Arm waren. Sobald ich sie ablegte waren sie sofort wach 🙁 Also saß ich dann gern mal auf dem Sofa fest…

Nach den ersten zwei Monaten war ich wirklich oft verzweifelt. Meist war es nämlich auch noch so, dass sie tagsüber nicht gleichzeitig geschlafen haben. So war es mir teilweise noch nicht mal möglich in Ruhe auf die Toilette zu gehen.

Ein Wunder-Schlafsack...

Ein Wunder-Schlafsack…

Und dann – als ich gerade dachte, dass ich völlig durchdrehe – wurde es besser. Mit dem Floh haben wir so einiges ausprobiert damit er besser schläft. Und haben schließlich angefangen ihn einzupucken. Da ich mit einer normalen Wickeltechnik irgendwie nicht klar kam, haben wir uns einen CosyMe-Pucksack bestellt. Meine Freundin hat diesen auch für ihren Sohn genutzt und direkt nach der Anschaffung hat ihr Sohn durchgeschlafen. Daran wagte ich ja kaum zu glauben. Und bei uns war das auch nicht so. Aber der Floh kam unmittelbar nachdem wir ihn im CosyMe eingepuckt hatten zur Ruhe. Er atmete nicht mehr so aufgeregt und entspannte sich sichtbar. Und er schlief auch besser.

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Nun wurde er nur noch zwei Mal pro Nacht wach. Zu Beginn wollte er beide Male noch trinken, später habe ich ihm beim ersten Aufwachen nur den Schnuller wieder reingesteckt und ihn sanft gestreichelt und schwupps, war er wieder eingeschlafen. Ich bekam immer noch nicht genug, aber zumindest schon viel mehr Schlaf und meine Zuversicht stieg auch wieder. Ich weiß nicht warum das im CosyMe plötzlich besser klappte – und es ist mir ehrlich gesagt auch völlig egal. Hauptsache es funktioniert 🙂

Und dann schlief die Minimotte am 10. September – in der Nacht auf meinen Geburtstag – das erste Mal durch. Und wir waren völlig aus dem Häuschen. Seitdem hat sie das weitestgehend beibehalten. Es gibt – wie zur Zeit – immer mal wieder Nächte in denen sie wach wird und trinken möchte. Meist sind das die Phasen in denen sie ganz offensichtlich einen Entwicklungsschub macht. Aber selbst dann beschränkt sich das auf eine Störung pro Nacht, was völlig ok ist.

Und auch der Floh hat uns in den letzten Wochen überrascht. Auch er kam irgendwann mit einer Störung nachts aus – meist gegen 2.30/3.00 Uhr. Und nun, am vergangenen Wochenende, hat er tatsächlich zwei Nächte hintereinander durchgeschlafen – juhu!!! Wir waren total aus dem Häuschen und sind unheimlich stolz auf ihn. Seitdem schläft er tatsächlich von 19.30 – 5.00 Uhr extrem gut, will dann kurz trinken und legt dann nochmal nach bis 7.00 Uhr.

...und der Floh legt am 02.10.15 nach!

…und der Floh legt am 02.10.15 nach!

Im Moment schläft er damit sogar besser als seine Schwester. Die war natürlich stattdessen nachts wach – auf die erste Nacht in der beide durchschlafen warten wir also noch – aber hey, die beiden sind 3 Monate alt, ich finde wir können mit der aktuellen Situation schon ganz zufrieden sein.

Ich mache mir keine Illusion: natürlich wird es immer mal wieder auch eine schlechte Nacht geben. Wenn die Zähnchen kommen, wenn einer von beiden krank ist oder einfach unruhig, weil der Tag aufregend war. Aber damit kann ich jetzt viel besser umgehen, verzweifle nicht mehr so daran, weil ich weiß, dass es auch immer wieder Zeiten geben wird, in denen mein Schlafkonto aufgefüllt wird.

Nur eins, das wird sich wohl vorerst nicht ändern: wenn alle drei Kinder bei uns im Bett liegen ist es ziemlich eng 🙂

Und nun bin ich auf Eure Erfahrungen gespannt – und besonders auf die der Zwillingsmamis unter Euch: wie waren Eure ersten Monate in Sachen Schlaf? Habt Ihr richtig gute Schläfer gehabt oder dreht ihr auch regelmäßig durch, weil Euch der Schlafentzug fertig macht? Und was hat Euch geholfen damit die Kinder besser schlafen?

Ich schicke den schlaflosen Mamis unter Euch viel Kraft…

Eure Anna

 

 

 

 

 

17 Comments

  • Frauke

    7. Oktober 2015 at 14:19

    Ich mags ja fast gar nicht erzählen… Unsere sind prima schläfer. Klar, zu beginn waren sie nachts auch wach, aber meist nur ein oder zwei mal. Aber da es in der anfangszeit gern mal drei stunden gedauert hat, bis beide gestillt und gewickelt waren, haben wir da natürlich auch nich so viel schlaf bekommen. Aber zum glück haben beide einen relativ gleichen rhytmus bekommen und beibehalten, auch tagsüber. Nach etwa 4,5 monaten haben sie durchgeschlafen und tun es auch heute noch(jetzt sind sie knapp 15 monate). Ich kann durchaus nachvollziehen, dass du zeitweise auf dem zahnfleisch gehst. Ich drücke ganz doll die daumen, das eure beiden süßen auch bald weiter und vor allem gemeinsam durchschlafen.

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    • Mama Motte

      7. Oktober 2015 at 19:35

      Ach das ist doch toll…ich finde das kann man ruhig erzählen. Ich jedenfalls gönne es allen Eltern, wenn sie ausreichend Schlaf bekommen. Ich denke, dass es bei uns nun auch stetig bergauf geht…wenn sie das Murmeltiergen ihrer Mama geerbt haben, brauchen wir uns nicht zu sorgen 🙂

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    • Mama Motte

      7. Oktober 2015 at 21:28

      Ja klar, total gerne Du Liebe…! Da ich ja immer fleissig bei Dir lese – besonders gern die Entwicklungsbeiträge über Wölkchen, bin ich ja quasi immer up to date über Deine Maus…

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  • Frühlingskindermama

    7. Oktober 2015 at 21:47

    Das ist ja Wahnsinn, so früh schon! Hoffentlich bleibt es so, ich wünsche es euch, denn Schlafmangel ist wirklich das Allerhärteste überhaupt. Meine Kinder haben mit 15 (Großer) bzw. 16 1/2 Monaten (Kleine) so langsam und erkennbar angefangen, durchzuschlafen. Vorher hatten sie das nur vereinzelt und zufällig mal geschafft. Richtig zuverlässig durchgeschlafen hat mein Großer erst mit 3 1/4, da war die Kleine schon 1 Jahr alt. Mein Schlafdefizit dauert also schon einige Jahre, im Moment wacht die Kleine (2 1/2) auch wieder vermehrt nachts auf.
    Übrigens finde ich nicht, dass der Papa nachts eher ein Recht auf Schlaf hat, weil er arbeiten muss. Wenn die Kinder tags wenig schlafen, sollte der Mama wenigstens nachts der nötige Schlaf ermöglicht werden, gerade wenn nicht gestillt wird. Denn wenn sie keine Nerven mehr hat, kann viel mehr passieren als wenn auf der Arbeit mal ein Fehler passiert.
    Alles Liebe und toi toi toi weiterhin!

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    • Mama Motte

      9. Oktober 2015 at 9:06

      Da hast Du Recht…und ich fordere meinen Schlaf dann irgendwann auch ein, wenn es nicht mehr geht. Und mein Mann springt dann auch ohne zu Maulen ein 🙂 Ernsthaft: er hilft wirklich toll mit, auch nachts. Aber ich gönne ihm auch, wenn er mal länger am Stück schlafen kann. Und irgendwann kommen ja auch wieder die Zeiten, in denen einer von uns am Wochenende morgens mal ausschlafen darf.

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    • Mama Motte

      9. Oktober 2015 at 9:04

      Ja, wir haben auch ein 2 Meter Bett – und trotzdem ist es eng…unsere Kinder haben wohl das „wir machen uns gern breit und brauchen viel Platz zum Schlafen“-Gen 🙂

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  • Küstenmami

    7. Oktober 2015 at 22:36

    Hallo liebe Anna,

    herzlichen Glückwunsch zu den ersten durchgeschlafenen Nächten, das ist ja toll! Das mit dem Schlafmangel kenne ich so gut – ich warte auch noch darauf, dass es besser wird.

    Unser kleines Küstenmädchen schläft zwar inzwischen ganz gut ein, aber von Durchschlafen kann nicht die Rede sein. In der ersten Phase (bis ca. 23/24 Uhr) schläft sie noch ganz gut, aber sobald ich neben ihr liege, „nutzt“ sie meine Anwesenheit für intensiven Still- und Kuschelkontakt. Und das mehrmals, bis sie, meistens schon um 5:00/5:30 Uhr mit dem Küstenjungen zusammen fröhlich und laut meldet, dass sie wach ist und es jetzt bitte Zeit zum Aufstehen ist… Ich bin soooooo müde!

    Viele liebe Grüße

    Küstenmami

    Antworten
    • Mama Motte

      9. Oktober 2015 at 9:03

      Oh je, das hört sich ziemlich hart an. So schön das Kuscheln mit den Mäusen ja auch ist – man braucht zwischendurch ordentlich Schlaf um wieder Kraft zu tanken. Ich drück´Dich mal und hoffe, dass es ganz bald besser wird…

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  • Claudia

    7. Oktober 2015 at 23:52

    Ich gebe zu, ich bin schon ein wenig (na gut: ziemlich) neidisch. Denn mein 10 Monate alter Sohn wird nachts noch alle 2,5 bis 3 Stunden wach und möchte gestillt werden. Zum Glück kann ich meistens vormittags noch ein wenig Schlaf nachholen.
    LG Claudia

    Antworten
  • Sabine

    11. Oktober 2015 at 16:42

    Seit ich Mutter bin, weiß ich erst, warum Schlafentzug eine Foltermethode ist. Unser Sohn wollte tagsüber gar nicht schlafen und nachts (sprich ab 22 Uhr) war er alle drei Stunden wach und hatte Hunger. Wenn er gefüttert und gewickelt war, schlief er meist direkt wieder ein. Doch ich war zunächst munter und bis zur nächsten Runde hatte ich kaum Schlaf getankt. Das mit dem Pucken haben wir tagsüber gemacht. Nach einigen Wochen kam der Hebamme die Idee. So einen tollen Schlafsack wie deinen kannte ich gar nicht. Sonst hätte ich das auch nachts gemacht. Das war mir mit unserer dünnen Decke zu gefährlich. Erst durch das Pucken schlief er tagsüber ein wenig. Er beruhigte sich schnell darin und wenn er aufwachte, waren seine Gliedmaßen vollkommen entspannt. Sollten wir noch einmal nachlegen, brauche ich unbedingt diesen Sack (für mich auch gleich einen) 🙂 Unser Sohn hat das erste Mal 6 Stunden am Stück mit 4,5 Monaten geschlafen. Einen schönen und ehrlichen Artikel hast du geschrieben. LG, Sabine

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  • Lotti

    19. April 2016 at 21:35

    Liebe MamaMotte,

    Danke für diesen tollen und ehrlichen Post :-)…

    Wir haben auch einen 6-jährigen 1. Klässler der zum Glück meistens nachts brav schläft. Seit die Zwillinge auf der Welt sind (20.05.15) ist er freiwillig aus unserem Bett „ausgezogen“ 😉

    Die Zwerge sind nach drei Wochen auf der Frühchenstation mit einem 4-Stunden-Rhythmus bei uns „eingezogen“ – damit war dann aber auch Schluss als es zu heiß wurde und halt doch öfters mal ein „Drink“ zwischendurch nötig wurde.

    Mittlerweile haben wir wirklich komplett unterschiedliche Nächte. Mal schläft einer der Zwillinge durch, mal gibt es häufig Schnulleralarm… Mal brauchen beide mal wieder eine Flasche in der Nacht, manchmal auch nur einer der beiden…

    Und auch wenn es oft so anstrengend ist und ich morgens auch nach dem dritten Kaffee nicht aus den Augen schauen kann: ich weiß irgendwann wird es besser… Bei unserem Großen hat es auch nur 3 Jahre gedauert :-D…

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    • Mama Motte

      19. April 2016 at 22:26

      Liebe Lotti, es wird besser ganz bestimmt. Ich drücke uns allen fest die Daumen und schiebe unauffällig noch einen Kaffee rüber…:-)
      Liebe Grüße, Anna

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