Hamburg mit Kindern und umsonst // Botanischer Garten Klein-Flottbek & Gedanken zum Ende der Elternzeit – so war das also im ersten Zwillingsjahr! #firstwinyear

Letzte Woche wurde mir auf einmal schlagartig bewusst: nur noch ein paar Wochen, dann sitze ich an den Vormittagen wieder im Büro, kann nicht einfach so spontan das schöne Wetter draußen genießen oder mich nochmal mit den Zwillingen eine Runde aufs Ohr hauen, wenn die Nacht anstrengend war. Dann ist die Elternzeit vorbei – das erste Zwillingsjahr geschafft. Waren die beiden nicht eben noch zwei hilflose Säuglinge? Und nun machen sie hier die Wohnung unsicher, räumen jede Schublade aus und ziehen sich überall hoch.

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Botanischer Garten Klein-Flottbek – ein Ort zum Nachdenken

Das schöne Wetter zieht uns nun Vormittags regelmäßig nach draußen. Und am liebsten spatziere ich mit den Zwillingen durch den – direkt bei uns um die Ecke gelegenen – Botanischen Garten / Loki Schmidt – Garten. Jetzt im Frühjahr, wo dort alles blüht und sprießt, ist das einfach eine Oase. Aber auch im Sommer findet man hier viel Ruhe und immer ein schattiges Plätzchen.

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Auch mit der Motte bin ich früher hier gern spatzieren gegangen. Und auch heute noch ab und zu, denn es gibt für Kinder unglaublich viel zu entdecken. Zum Beispiel den Duft- und Tastgarten, in dem Anfassen ausdrücklich erwünscht ist, den Nutzpflanzengarten, in dem allerlei Essbares wächst, außerdem den schönen Japanischen und Chinesischen Garten und auch Mammutbäume und Giftpflanzen.

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Insgesamt also viel Spannendes aus der Natur. Außerdem ist es schön, dass es überall Bänke zum Rasten gibt, kleine Stege, auf denen die Kinder aufs Wasser schauen können und sogar eine Entenfamilie habe ich beim letzten Mal entdeckt.

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„Sind das Zwillinge?“

Und als ich vergangenen Mittwoch so durch den Botanischen Garten spazierte, da ging mir so viel durch den Kopf. Ich werde – wie so viele andere Zwillingseltern auch – ständig von fremden Menschen angesprochen. Der meist gefragte Satz – gleich nach dem obligatorischen „Sind das Zwillinge?“ – ist dabei: „und, ist bestimmt anstrengend, oder?“

Mich nervt diese Frage, denn: jeder, der schon einmal ein Baby großgezogen hat, sollte eigentlich wissen, dass Kinder IMMER anstrengend sind. Natürlich sind zwei Babys anstrengend – denn auch EIN Baby zu haben ist ja schon anstrengend. Ja, ich habe kaum eine freie Minute für mich. Ich habe Schlafmangel. Der Haushalt ist ein einziges Chaos. Und ja, es gibt viele Tage, da liege ich abends total platt auf dem Sofa und frage mich: „wie soll ich das bloß schaffen“. Und natürlich gab es im – nun fast vergangenen – ersten Babyjahr auch Tage, an denen ich heulend und total überfordert dachte: „warum haben wir das bloß gewollt, dieses zweite (und dritte) Kind?“.

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Mein schlechtes Gewissen war groß, weil ich meiner großen Motte nicht die Aufmerksamkeit schenken konnte, die ich ihr gern geschenkt hätte. Mich hat es oft genervt, dass ständig ein Kind krank war. Dass manche Tage nur aus Windeln wechseln, Füttern und gemeinsam mit den Kindern schlafen bestanden haben.

Das erste Babyjahr im Rückblick

Im ersten Babyjahr lebt man wie in einer Blase…alles dreht sich um die neuen Erdenbürger. Der gesamte Rythmus gerät durcheinander. Mich hat es schon damals bei der Motte genervt, dass man tagsüber ständig auf den Mittagsschlaf Rücksicht nehmen musste und ich war froh, als diese Phase endlich vorbei war und die Motte tagsüber nicht mehr schlief. Leider habe ich keine Kinder die einfach tagsüber mal irgendwie irgendwo einschlafen wenn sie müde sind. Eigentlich bleiben nur zwei Möglichkeiten: mit den Kindern hinlegen oder im Kinderwagen schieben. Wobei der Schlaf im Kinderwagen wesentlich kürzer ausfällt. Alle meine drei Kinder haben wohl eine innere Stimme die sagt: „Du verpasst etwas da draußen, also hol´Dir nur das Nötigste an Schlaf“.

Das finde ich auch bei den Zwillingen manchmal unglaublich anstrengend. Aber ich glaube, ich hätte es auch anstrengend gefunden, wenn es nur ein Kind wäre.

Was ich damit sagen will: ja, natürlich ist es mit Zwillingen anstrengend. Weil ja alles – aber auch wirklich alles – doppelt erledigt und erlebt werden muss. Zweimal wickeln, zweimal füttern, zweimal krabbeln lernen, zweimal laufen lernen, zweimal Zähnchen kriegen. Aber ich möchte nicht behaupten, dass ich es mit einem Kind nicht auch anstrengend gefunden hätte. Ich hätte es ja dann gar nicht anders gekannt.

Insgesamt kann ich wohl dennoch behaupten, dass ich sehr froh bin, dass erst das ZWEITE Kind Zwillinge wurden. So war ich als Mama insgesamt wohl lockerer, habe vieles nicht mehr so eng gesehen. Auch mal Fünfe gerade sein lassen. Ich habe mich einfach von Beginn an nicht so sehr unter Druck gesetzt alles perfekt machen zu müssen. Denn das läuft es ja mit Kindern eh nie – und das wusste ich ja durch mein erstes Kind schon.

Die ganze Unordnung im Haushalt, die Fremdbestimmtheit, der Schlafmangel, die Quengelphasen vor dem nächsten Entwicklungsschritt, Zeitmangel – all´das hat mich nicht mehr aus der Bahn geworfen.

Was wirklich an den Nerven zehrt…

Was allerdings wirklich sehr an meinen Nerven zehrt – und für mich die wirkliche Herausforderung im ersten Zwillingsjahr war sind drei Dinge:

Erstens damit klarzukommen, dass man eben ein Kind manchmal auch quengeln lassen muss. Wickele ich zum Beispiel gerade einen und der andere ist unzufrieden, muss er eben ein paar Minuten abwarten. Will der eine getragen werden und der andere auch, geht das eben nicht immer gleichzeitig. Geht es dem einen nicht schnell genug mit dem Füttern, weil der andere ja zwischendurch auch einen Löffel in den Mund geschoben haben will, dauert es eben ein paar Sekunden bis der Nachschub im Mund landet. Die Bedürfnisbefriedigung kann eben nicht immer so prompt erfolgen wie bei einem Baby. Das musste ich erstmal für mich lernen und mir oft sagen: „Du tust was Du kannst, stress Dich nicht so sehr“.

Zweitens empfand (und empfinde ich es noch jetzt manchmal) als sehr schwierig auch den Bedürfnisse meiner Großen noch gerecht zu werden. Natürlich kann sie mit ihren 4 Jahren schon viel selbst. Sie zieht sich an, geht allein auf Toilette, kann sich schon ein Brot schmieren und was zu trinken holen. Dennoch braucht auch sie ja hin und wieder noch ihre Mama. Sie ist ja auch noch klein, auch wenn man das manchmal – angesichts der Minizwerge – vergisst. Anfangs musste ich ihr oft sagen, dass sie warten muss, dass ich jetzt nicht mit ihr spielen kann weil…das hat mir manchmal das Herz gebrochen.

Als dritte große Herausforderung empfand ich vor allem, dass wir uns nicht als Paar verlieren – mein Mann und ich. Die erste Zeit – als die Zwillinge noch keinen gemeinsamen Schlafrhytmus hatten – waren wir teilweise beide die ganze Nacht wach, weil ständig ein Kind nach uns verlangte. Da haben wir uns oft angezickt, waren genervt, hatten manchmal das Gefühl, der andere tut viel weniger (was natürlich nicht stimmte, denn mein Mann hat von Anfang an tatkräftig geholfen – auch nachts). Das war einfach der Übermüdung und Anstrengung geschuldet.

Rückblickend bin ich froh, dass unsere Beziehung so gefestigt ist, dass sie das heil überstanden hat. Wir haben oft darüber gesprochen, dass wir mit manchen Bemerkungen, die in solchen Augenblicken gefallen sind, nie den anderen persönlich meinen, sondern diese einfach aus den Umständen heraus passiert sind. Mit kleinen Kindern ist es immer schwer sich auch Paarzeit zu nehmen. Wir versuchen das trotzdem immer wieder – und wenn es nur ein paar liebe Worte zwischen Tür und Angel sind.

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Und jetzt?

Alles in allem war dieses Jahr voller Sorgen, anstrengend, turbulent und chaotisch und wir sind auch so manches Mal an unsere Grenzen gestoßen – aber es war auch voll mit Glücksmomenten, Kinderlachen, Strahleaugen, großer, großer Geschwisterliebe und vielen, vielen ersten Malen. Die ersten Zähnchen, das erste Krabbeln, das erste Lächeln, der erste Brei…

Und viele dieser wunderschönen ersten Male werden noch folgen. Der erste Schritt, der erste Kita-Tag, das erste „Mama“…darauf freue ich mich im zweiten Lebensjahr unheimlich.

Denn mittlerweile haben wir uns als Familie eingegroovt, jeder hat seinen neuen Platz gefunden, ein neuer Rythmus hat sich eingestellt und ich sitze abends auf dem Sofa – immer noch total geschafft, aber sehr, sehr glücklich und stolz auf meine drei wunderbaren Kinder. Genau so sollte es sein. Genau so sind wir komplett. Und dann denke ich: „ja, Ihr alle da draußen. Es ist anstrengend mit Zwillingen. Aber auch ganz besonders schön!“

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Tag

Eure Anna

– Dies ist mein Beitrag zur Blogparade „Das erste Jahr mit Zwillingen“ von Anne vom Blog „Einer schreit immer“ –

 

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